"Ich wand're durch Theresienstadt." So beginnt ein bekanntes Lied der jüdischen Lyrikerin Ilse Weber, die von 1942 bis 1944 mit ihrer Familie in Theresienstadt interniert war, bevor sie zusammen mit ihrem Sohn Tomáš und anderen Kindern des Kinderkrankenhauses, in dem sie als Krankenschwester gearbeitet hatte, nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. "Ich wand’re durch Theresienstadt" – so lautete sehr passend auch der Titel eines Schulprojekts des Bläserensembles OPUS 45, an dem Ende Februar unsere 10 b und 10d mit Frau Höhne und Frau Opitz teilgenommen haben. Unter der Anleitung der Dramaturgin Kathrin Liebhäuser und des Schauspielers Roman Knižka haben sie sich mit den Schicksalen von Kindern und Jugendlichen in Theresienstadt, mit den Texten Ilse Webers und mit den Musikwerken von dort inhaftierten Komponisten beschäftigt – und mit der Kraft des Musizierens, die die Menschen dem Grauen des Lagerlebens und der Angst vor dem stets gegenwärtigen Tod entgegensetzten. Am 26. Februar wurde abschließend zum öffentlichen Konzert- und Lesungsabend geladen.
Im November 1942 hatte die jüdische Selbstverwaltung nämlich durchgesetzt, dass der Besitz von Musikinstrumenten und das Musizieren erlaubt wurde; zuvor hatten sämtliche musikalischen Aktivitäten nur im Geheimen stattfinden können. In der Folge entwickelte sich ein reiches Musikleben, zu dem auch die Einstudierung der Kinderoper Brundibár des tschechischen Komponisten Hans Krása, der ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden war, gehörte. Ganze 55 Mal wurde die Oper aufgeführt und schenkte den mitwirkenden Kindern und Jugendlichen und dem Publikum Momente der Hoffnung und Freude. Ela Stein, die als Elfjährige nach Theresienstadt kam, berichtet in ihren Erinnerungen über das Casting für die Oper: Alle Rollen wurden mehrfach besetzt, da alle Mitwirkenden jederzeit auf einen der Transporte in ein Vernichtungslager geschickt werden konnten. Und in der Tat überlebten von den ca. 15.000 Kindern aus Theresienstadt nur 132 den Holocaust.
Das Projekt schloss mit einem öffentlichen Konzert- und Lesungsabend in unserer Aula mit Texten und Kompositionen aus Theresienstadt und einem Zeitzeugengespräch mit dem 93-jährigen Theresienstadt-Überlebenden Ernst Grube ab, der aus Regensburg per Video zugeschaltet wurde. Für besonders bewegende Momente dieser ganz und gar denkwürdigen Veranstaltung sorgte nicht nur Ernst Grube, als er von dem entsetzlichen Hunger berichtete, unter dem er gelitten hatte, und davon, dass sich nach dem Krieg in München, wohin man ihn gebracht hatte, niemand für sein Schicksal interessierte, sondern auch die Schülerinnen und Schüler des Johanneums und zweier weiterer Schulen, als sie einen Sprechgesang aus der Oper Brundibár anstimmten und dazu Schilder mit Namen von Kindern hochhielten, die in Theresienstadt an den Aufführungen mitgewirkt hatten. Ihre Namen, ihr Schicksal und das Projekt selbst werden allen Mitwirkenden und dem Publikum ganz bestimmt dauerhaft in Erinnerung bleiben.















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