Apply for the “Global Youth Ambassadors Leadership Summit 2019“ in Chicago

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Liebe Alexandra, liebe Elena, im Juli 2018 haben wir eine intensive gemeinsame Woche beim „Global Youth Ambassadors Leadership Summit“ in der Hamburger Partnerstadt Chicago verbracht. Ich möchte mit Euch die vielen Erlebnisse mit etwas Abstand noch einmal Revue passieren lassen. Welche Begegnungen sind Euch besonders in Erinnerung geblieben?

Alexandra: Da gibt es viele, an wen ich aber sofort denken muss, ist Dima Elissa, die wir am Women in STEM Tag getroffen haben (Science-Technology-Engineering-Mathematics). Mich hat unglaublich beeindruckt, was für eine souveräne und selbstbewusste Geschäftsfrau sie ist und wie selbstverständlich sie sich in ihrer Position sieht und ihre Ziele verfolgt. Sie ist die Verkörperung ihres eigenen Traumes. Gleichzeitig ist sie aber auch nicht überheblich oder arrogant, ihr eigenes Motto ist ja „Where the ego goes, nothing grows.“ Sie hat uns ganz selbstverständlich und unaffektiert ermutigt, nicht immer erst einen Schritt zurück zu machen und zu fragen, „bin ich überhaupt gut genug, ist das das Richtige“, sondern einfach auszuprobieren: „Say yes to as many things as you can!“

Elena: Bis heute beeindruckt mich die Begegnung mit dem Studenten Marley Rosario, der als Aktivist u. a. gegen die Waffengewalt in den USA kämpft und den „March for our lives“ in

Elena & Alexandra
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Chicago im März 2018 mitorganisiert hat. Seine leidenschaftliche und überzeugende Art mit der er z. B. sagte: "Guns don't make men more masculine!" oder "No one really cares about gun control!" werde ich so schnell nicht wieder vergessen.

„Where the ego goes, nothing grows.“: Welche weiteren Mottos klingen noch ein wenig nach?

Alexandra: „The keys to success are mindful communication, mindful leadership and mindful living.” Das ist die Essenz des Global Girls Workshop, ein Workshop gleich zu Beginn der Woche, der mir wirklich viel Spaß gemacht hat! Dabei haben wir u. a. über „mindfulness“ gesprochen, also dem Präsentsein im Hier und Jetzt. Dazu gehört auch, gute oder schlechte Situationen anzuerkennen wie sie sind und einfach vorbeiziehen zu lassen, denn „pain is inevitable, suffering is a choice.“

Elena: Mir ist das von vielen Referentinnen häufig zitierte „Find your inner voice“ noch im Ohr geblieben. Darüber hinaus ist mir noch einmal richtig klar geworden, eigene Fehler nicht immer als Makel, nicht als Versagen anzusehen. Man sollte sich zunehmend bewusst machen, Fehler mehr als Chance anzuerkennen, um Neues zu entwickeln und andere Lösungswege zu suchen.

Warum sollten Eurer Meinung nach Hamburger Schülerinnen den nicht gerade geringen Aufwand betreiben, sich für diese „Botschafterstelle“ in Chicago zu bewerben?

Alexandra: Gerade dieses Stipendium ermöglicht viele unerwartete und bewegende Momente mit unterschiedlichen Frauen aus den verschiedensten Lebens- und Arbeitsbereichen der drittgrößten Stadt der USA. Zum Beispiel mit Emily Graslie, Chief Curiosity Correspondent des Field Museum, eines der größten Museen weltweit, die YouTube Videos zum Museum und zu Naturwissenschaften macht, um das Interesse der Menschen zu wecken. Genauso sympathisch fand ich die Spielerinnen von Chicago Sky, Chicagos Basketballteam der WNBA, die wir nach einem Spiel getroffen haben. Oder auch Melody Spann Cooper, die erste afroamerikanische Vorsitzende eines Radiosenders überhaupt, die aus dem Radio- und Fernsehbusiness kommt und dennoch ganz „down to earth“ wirkte. All diese Frauen haben ihren Werdegang und ihre Lebensgeschichten, die nicht immer geradlinig und reibungslos verliefen, mit uns geteilt und uns ermutigt, unseren eigenen Weg zu gehen, trotz unerwarteter Schwierigkeiten und manchmal auch widriger Umstände. Solche Frauen sind ganz besondere Vorbilder und hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Elena: Ein weiteres, äußerst prägendes und unerwartetes Erlebnis war für uns beide „The Visibility Project: Black Girls Take Over Douglas Park”, einer Veranstaltung vor allem zur Stärkung afroamerikanischer Mädchen, aber auch als Protest gegen Waffengewalt. Wir waren überwältigt von der Kraft aller Mitwirkenden und haben dort z. B. Musikperformances gehört, die uns den Rap als eine gewaltfreie und unglaublich ausdrucksstarke Kunstform erleben ließen. Man konnte die Wurzeln des Rap ein wenig nachspüren und ich zumindest hatte das Gefühl, Rap zum ersten Mal „richtig“ verstanden zu haben. Aber nicht nur in dieser Woche haben wir alle unglaublich viel gelernt, sondern bereits im Vorfeld. Allein die Bewerbung für dieses einwöchige Stipendium regte schon zum intensiven Nachdenken über sich selbst an.

Ein Stipendium exklusiv nur für Schülerinnen: Wo liegen die Chancen gerade für junge Frauen wie Euch, an einem solchen Projekt teilzunehmen?

Alexandra: Erst einmal ist es eine große Motivation für Mädchen, die meines Erachtens auch nötig ist, da Mädchen noch häufig in ihren Möglichkeiten und ihren Fähigkeiten unterschätzt werden und sich selbst auch oft unterschätzen. In Bezug darauf

Alexandra & Elena
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haben wir uns auch mit dem Begriff Feminismus beschäftigt, der ja leider immer noch negativ besetzt ist. Für mich hat dieses Wort durch die Auseinandersetzung an Schrecken verloren. Es ist nichts Schlechtes, Feministin oder Feminist zu sein! Der Gedanke ist viel zu sehr verbreitet, Feminismus würde das patriarchalische System einfach umkehren, aber das Ziel ist aus meiner Sicht Gleichberechtigung. Und dafür können sich ja genauso gut Männer einsetzen. Auf einem T-Shirt in Chicago habe ich gelesen: „Equal rights for others doesn´t mean less rights for you. It´s not pie.“ Das lässt sich doch wunderbar übertragen.

Elena: Ich habe diese Zeit als wunderbaren “wettbewerbsfreien” Raum erlebt mit einer unglaublichen Solidarität unter uns Mädchen und der Lust und Freude, sich gemeinsam für eine Mentalität von Geschlechtergleichheit weltweit stark zu machen. Das fühlte und fühlt sich einfach nur klasse an und mir ist es wichtig, auch noch nach der Zeit in Chicago mit möglichst vielen „Ambassadors“ in Kontakt zu bleiben.

Hamburger Global Youth Ambassadors: Summa summarum?

Alexandra: Im Mittelpunkt stand die Begegnung mit unterschiedlichen, zumeist weiblichen Vorbildern aus unserer Partnerstadt Chicago, von denen ich nicht zu träumen gewagt hätte. Wir hatten die große Chance, andere Lebenswelten, Ansichten und Mentalitäten kennenzulernen, was bei allen Teilnehmenden Offenheit und Verständnis gefördert, uns aber auch herausgefordert hat, unsere Gewohnheiten, unsere Komfortzone neu zu betrachten. Und mir ist auch noch einmal klar geworden, unter welchen komfortablen Umständen wir hier in Deutschland aufwachsen und leben dürfen. Dazu kann ich nur sagen: „Don´t take it for granted. Appreciate. And give back.“

Elena: Ich schließe mich Alexandra an: Die Zeit in Chicago hat mir die Möglichkeit gegeben, mir meiner Komfortzone bewusst zu werden, darüber kritisch nachzudenken und sehr viel offener sowie verständnisvoller gegenüber anderen Menschen, Ländern und Kulturen zu sein. Das war wie ein „Weltaufmerksamkeitsschub“ gemeinsam mit vielen anderen interessanten jungen Frauen! Mich hat diese Woche darüber hinaus sehr viel mutiger gemacht, auf andere Menschen in einer fremden Sprache zuzugehen, sodass ich allen Hamburger Schülerinnen nur mitgeben kann: "If you don't try, you will never know!“

Ich danke Euch beiden für diesen munteren und nachdenklichen Rückblick!

Weitere Informationen gibt es unter www.chicagosistercities.com/initiative/global-youth-ambassadors/