Interview mit Kirsten Boie beim Kinderkonzert im Johanneum
Kirsten Boie mit Amelie M. (9b) und Valerie (bald Sextanerin)
Kirsten Boie mit Amelie M. (9b) und Valerie (bald Sextanerin)

Die Autorin der weltbekannten Kinderbücher von unter anderem „Wir Kinder aus dem Möwenweg“ und „Der kleine Ritter Trenk“ persönlich kennenlernen und ihr die eigenen Fragen stellen dürfen? Wer kann da schon nein sagen?! Meine Cousine und ich konnten es jedenfalls nicht, als wir von Frau Kropp gefragt wurden, ob wir zum Kinderkonzert von und mit Kirsten Boie mitkommen und danach den Ehrengast kurz interviewen möchten. Am Samstag, dem 26. März, fand das Konzert in unserer Aula am Johanneum statt, bei dem Kirsten Boies Buch „Warum wir im Sommermückenstiche kriegen, die Schnecken unseren Salat fressen und es den Regenbogen gibt“ von Benjamin S. (6c), unserem diesjährigen Gewinner des Vorlesewettbewerbs, vorgelesen wurde.  Die Erzählung ist die, mit einem Augenzwinkern erzählte, biblische Geschichte der Arche Noah, die aber zudem noch die Fragen des Titels sehr schön klärt. Zwischen den Lesungen wurden Johannes Brahms' Haydn-Variationen vom Hasse-Orchester/Bergedorf gespielt. Nach dem eher für "kleine" Kinder gemachten Konzert, das aber nicht zuletzt aufgrund der schönen Brahmsstücke auch für „große Kinder“ wie mich schön anzuhören war, konnte man seine (mitgebrachten) Bücher von Frau Boie signieren lassen. Als alle Bücher signiert waren, konnten meine Cousine und ich dann (endlich) mit der Autorin sprechen und ihr unsere Fragen stellen. Lest und lesen Sie selbst!

Wie kam es dazu, dass Sie Autorin wurden?
Also mir ist mein Leben lang immer ganz viel eingefallen - schon als Kind. Da hab ich nur nichts aufgeschrieben; das fand ich zu anstrengend. Und dann wollte ich immer Bücher schreiben, aber dann bin ich stattdessen Lehrerin geworden und war das auch sehr gerne – geschworen – ich war wirklich gerne Lehrerin. Und dann haben mein Mann und ich unser erstes Kind adoptiert, und da gibt es so eine Stelle im Jugendamt, die das kontrolliert. Die haben damals gesagt, man kann nicht Kinder haben und berufstätig sein, das geht nicht zusammen, ich muss also, wenn ich jetzt ein Kind habe, aufhören zu arbeiten. Und das habe ich getan, dann konnte ich nicht mehr Lehrerin sein. Und dann hab ich gedacht, jetzt ist die Zeit meine Geschichten aufzuschreiben. Und so bin ich zum Bücherschreiben gekommen.

 

Hatten Sie als Kind denn den Traumberuf Lehrerin?
Ne, den Traumberuf Autorin hatte ich als Kind! Und da bin ich ja hingekommen, über diesen Umweg.

 

Was war Ihr Lieblingsbuch oder Ihre Lieblingsautorin als Kind?
Meine Lieblingsautorin war Astrid Lindgren, da fand ich fast alles gut, nicht alles gleich, aber fast alles; und dann Enid Blyton, 5 Freunde, die fand ich auch toll, aber Astrid Lindgren fand ich besser, vor allem „Kalle Blomquist“ fand ich super und die „Kinder aus Bullerbü“, das merkt man jetzt vielleicht auch… [Kirsten Boie zeigt auf Ihr Buch „Wir Kinder aus dem Möwenweg“.]

 

Wo schreiben sie denn am liebsten? An welchem Ort?
Ich habe jetzt ein Arbeitszimmer. Als ich angefangen habe zu schreiben, hatte ich kein Arbeitszimmer, da habe ich am Küchentisch geschrieben. Und das war blöd, dann musste ich vorher immer erst ein bisschen aufräumen, weil, wenn man so das ganze Chaos sieht, kann man nicht gut schreiben. Und jetzt mit dem Arbeitszimmer ist das toll, das ist so zur Hälfte unserer früherer Wintergarten, das heißt: Ich habe also ganz viele Pflanzen in meinem Arbeitszimmer.

 

Haben Sie eine besondere Inspirationsquelle?
Nein, also mir fällt immer viel ein, und es sind immer unterschiedliche Dinge, die mich inspirieren. Also meine Kinder hatten Meerschweinchen, da hab ich Bücher über ein Meerschweinen geschrieben, das heißt King Kong. So und als ich „Wir Kinder aus dem Möwenweg“ geschrieben habe, haben wir in einer Reihenhausreihe gelebt. Oder „Sommerby“ ... die Bücher, die spielen ja an der Schlei, oben fast an der dänischen Grenze, und da haben wir schon seit zwanzig Jahren ein Sommerhaus. So kommt das.

 

Welches Buch von Ihnen ist Ihnen am wichtigsten?
Das kann ich dir nicht sagen. Früher hätte ich eher gesagt, so die ernsten, jetzt ist gerade eins neu, das heißt „Heul doch nicht, du lebst ja noch“ und spielt am Ende des zweiten Weltkriegs. Früher hätte ich immer gesagt, solche Bücher sind mir am wichtigsten. Die sind mir auch sehr wichtig, aber ich glaube, es ist auch ganz wichtig, dass man Bücher hat, bei denen man sich wohlfühlt, wenn man sie liest, bei denen man sich glücklich fühlt, die einen vielleicht trösten, wenn man traurig ist. Deshalb find' ich inzwischen auch die Bücher so wie „Sommerby“ oder „Möwenweg“ wichtig. Ich glaube, man braucht beides.

 

Was möchten Sie denn noch schreiben, haben Sie noch eine bestimmte Sache, die sie machen möchten?
Verrate ich nie [lacht]. Ich schreib auch gerade wieder an was, aber ich verrate es nie, nicht mal meinem Mann und auch nicht dem Verlag. Ich schreibe das einfach.

 

Haben Sie vor, noch einen vierten Teil von „Sommerby“ zu schreiben?
Ich denke zumindest inzwischen drüber nach. Zuerst hab' ich gesagt, nie im Leben, jetzt denke ich drüber nach. Aber es kommt jetzt ein „Sommerby-Kochbuch“ raus, mit den Rezepten von Oma Inge und Ausflugstipps.

 

Sie haben ja auch viel 2.Weltkriegs-Literatur geschrieben, wie sind Sie zu dem Thema gekommen?
Naja, ich bin fünf Jahre nach dem zweiten Weltkrieg geboren. Und da war Hamburg wirklich noch eine Trümmerlandschaft, das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Und die Erwachsenen haben immer vom Krieg erzählt und das heißt, als Kind habe ich so viel davon gehört und selbst in den Trümmern gespielt oder Menschen mit Prothesen erlebt, ganz viele von meinen Lehrern, die Männer hatten praktisch alle eine Arm- oder Bein-Prothese. Und deshalb hat das in meinem Leben schon eine Rolle gespielt.

 

Und wie sind Sie in dieser Zeit dann an Bücher gekommen? Sie haben doch bestimmt auch schon früh Bücher gelesen, aber die ganzen Bibliotheken waren doch auch weggebombt, oder?
Ja, das war’s, und die ganze Literatur, die es vorher gegeben hatte, das war ja Nazi-Literatur, die gab‘s nicht mehr. Also es war gar nicht so einfach, aber ich habe dann, da war ich 10, da habe ich die erste öffentliche Hamburger Bücherhalle entdeckt und da bin ich immer einmal die Woche gewesen und habe die Einkaufstasche von meiner Mutter mitgenommen und dann hab' ich die vollgepackt und das war richtig toll.

 

Woher ist Ihre Idee vom ersten Teil „Sommerby“?
Ich hab' genauso ein Haus wie das von Oma Inge an der Schlei entdeckt und hab' mich gefragt, wer kann so leben, ohne Weg, ohne Straße, so zum Haus. Und dann habe ich mich als zweites gefragt, wie wäre das für Kinder und Jugendliche, wenn die da plötzlich hin verschlagen würden. Und so ist dann „Sommerby“ entstanden.

 

Schreiben Sie denn lieber Kinder- oder Erwachsenenbücher?
Für Erwachsene habe ich noch nie geschrieben, kein einziges. Nur Kinder und Jugendbücher. Also es gibt Bücher von mir, die sind auch im Erwachsenenverlag erschienen, aber geschrieben habe ich sie nicht für Erwachsene.


Sondern dann für Jugendliche?
Ja, genau.


Und schreiben sie lieber Jugend- oder Kinder-Literatur?
Ne, ich schreib' gerne abwechselnd. Ich glaube, wenn ich nur Jugendbücher schreiben würde, das würde mir nicht reichen, und nur Kinderbücher auch nicht. Ich finde das toll, dass ich wechseln kann. Das ist das Gute bei denen. Wenn du für Erwachsene schreibst, kannst du immer nur für Erwachsene schreiben, oder du kannst sagen, jetzt schreib' ich mal für 35-Jährige und jetzt mal für 65-Jährige. Aber das ist ja quatsch, es sind ja dieselben Bücher.

 

Und ich habe noch eine letzte Frage, und zwar: Denken Sie, dass in der Schule mehr zu dem Thema 2. Weltkrieg drankommen müsste?
Ich weiß nicht, wie viel drankommt, deswegen kann ich das schwer beurteilen… Es kommt ja eigentlich ziemlich wenig dran… Also ich denke, das ist wichtig. Und ich denke, es ist vor allem wichtig zu erzählen, wie es dazu gekommen ist. Also über den Nationalsozialismus, weil wir da unglaublich aufpassen müssen, dass wir in so was nicht wieder reinschlittern, das ist nicht ausgeschlossen. Deshalb, das würde ich mir schon wünschen.

 

Kinderkonzert
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