Mit dem Titel „Serious Business“ startete der Bundeswettbewerb LYRIX ins Jahr 2026 und rief dazu auf, einen Tag festzuhalten: einen, der sich müde, unsicher oder zäh anfühlt, oder einen, in dem Freude, Hoffnung und kleine Glücksmomente aufscheinen. Zum ersten Mal gab es dabei ein Musikstück als Inspiration für das Monatsthema. Der Song „Once You Laugh“ („Einmal lachst du“) von Andreya Casablanca sollte die Nachwuchslyriker dabei unterstützen, die eigenen Gedanken und Gefühle in Gedichten sichtbar zu machen.
Unter den vielen hundert Einsendungen aus ganz Deutschland werden von der Lyrix-Jury jeweils sechs Monatssieger ausgewählt. Im Januar gehörte Luana K. aus der 8b dazu mit ihrem berührenden Gedicht „Nur da“. Damit spricht sie sicher so manchem Schüler an einem trüben Wintertag aus der Seele. Viel Freude beim Lesen!
Im Rahmen der Begabungsförderung IDEAI gibt es unzählige spannende Angebote, aus allen Fachbereichen, Wissenschaftsgebieten und Künsten ist etwas dabei. Sieben junge Schreibbegeisterte aus den Klassenstufen 6, 7 und 8 haben sich in diesem Jahr für die Teilnahme am Bundeswettbewerb LYRIX interessiert. Denn wie schon die alten Griechen wussten, erfordert das Dichten nicht nur Talent und den Kuss der Musen, sondern auch Disziplin, die einige besser als andere beherrschen, weshalb man sich bereits im antiken Hellas zu Sängerwettbewerben traf.
Das Treffen der Lyrix-Teilnehmer geschieht zwar nur virtuell und ohne Lyrabegleitung, die Vorbereitung dafür aber ganz analog, jedenfalls am Johanneum. Auf der Homepage unter www.bundeswettbewerb-lyrix.de finden sich Monat für Monat neue Schreibaufgaben und die Lyrix-Gruppe am Johanneum trifft sich ebenso häufig zusammen mit Frau Schmitz, um sich gemeinsam von der Idee und den von den Wettbewerbsmachern bereitgestellten Anregungen inspirieren zu lassen. Wer mit seinem Werk zufrieden ist, kann es einreichen – oder sich auch einfach nur am kreativen Umgang mit dem Thema in einer sprachbegeisterten kleinen Gruppe erfreuen.
Luana K. (8b)
Nur da.
Ich wache auf
am morgen.
es ist winter
die bäume sind kahl
nichts gibt energie.
Am bahnhof stehe ich da.
kein zug kommt
das licht flackert
und geht aus.
Dann kommt die bahn.
eine bahn voll mit körpern
aber ohne stimmen in mir
ein gedränge
das nichts berührt.
In der schule höre ich
lachen auf dem flur.
seifenblasen fliegen
die hoffnung schimmert
und platzt.
In der mathestunde schwirren
die zahlen auf dem papier.
formeln
die löcher in den kopf bohren
und irgendwie
ergibt alles für mich null.
Zuhause lege ich
mich gleich ins bett.
meine atemzüge stapeln
steine auf die brust.
Die zeit vergeht
ich spüre nichts
ich sehe nur
mein zimmer nach dem auszug
nur die wände hören noch zu.
Abends sitze ich still
der tag legt sich neben mich
und atmet ruhig.
nicht glücklich.
nicht traurig.
Nur da.
Luana Kemmann, 8b
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