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Kessler - Mäzen und Verleger, Ästhet und Pazifist - schreibt in seinen "Erinnerungen": "Ich verdanke dem Johanneum eine sichere Grundierung auf allen Gebieten, die sein Lehrplan umfasste: und das ist, wie ich oft erkennen musste, recht viel“.

Harry Clemens Ullrich Kessler wurde am 23.5.1868 in Paris als erstes Kind eines deutschen Bankiers und einer irischen Baronin geboren. Die erfolgreichen Finanzgeschäfte des Vaters in Hamburg, Paris, London und New York sicherten der Familie ein wohlhabendes und mondänes Leben. Gut behütet und von Luxus umgeben, verlebte er seine frühe Kindheit in verschiedenen Häusern diverser Metropolen. Von 1878 bis 1880 besuchte er ein Pariser Halbinternat. Im September 1880 wechselte er auf eine englische Privatschule in Ascot bei London.

Seit Oktober 1882 war Kessler Schüler der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Er lebte im Hause des lutherisch-orthodoxen Pastors Blümer, der für das Waisenhaus zuständig war. Den schulischen Anforderungen in den Fächern Griechisch, Latein, Mathematik, Literatur und Geschichte kam er ohne Schwierigkeiten nach. Kessler galt aufgrund seiner Herkunft und seiner ausländischen Erziehung und Ausbildung unter den Bürgersöhnen am Johanneum als Sonderling.

Im Juli 1888 bestand er erfolgreich das Abitur. Er studierte danach bis 1891 in Bonn und Leipzig Kunstgeschichte und Jura. Von 1895 bis 1900 war er Mitherausgeber der Zeitschrift „Pan“, von 1902 bis 1906 Leiter des Weimarer Museums, 1903 Mitbegründer des deutschen Künstlerbundes. 1913 gründete Kessler in Weimar die Cranach-Presse, von 1916 bis 1918 war er als Diplomat in der Schweiz tätig, danach als Gesandter in Warschau. Lange Zeit war er Präsident der deutschen Friedensgesellschaft. 1933 emigrierte er nach Frankreich, wo er bis zu seinem Tode am 30.11.1937 in Lyon lebte.

In seinen Erinnerungen schreibt er über das Johanneum:
"Das Johanneum, die alte Gelehrtenschule, war eine der berühmtesten und stolzesten in Deutschland. Der Lehrstoff Griechisch, Latein, Deutsch, Mathematik und Geschichte wurde zwar trocken, aber gründlich durchgenommen. Die Anforderungen an die Schüler waren außerordentlich. Wir blickten auf das andere Hamburger Gymnasium und die der Nachbarstädte als auf etwas windige und zweitklassige Anstalten herab. … Ich verdanke dem Johanneum eine sichere Grundierung auf allen Gebieten, die sein Lehrplan umfasste: und das ist, wie ich oft erkennen musste, recht viel“. (Harry Graf Kessler, Gesichter und Zeiten, Erinnerungen, Bd I, S. 173f.)