Illustration
In Winterhude

Seit 1914

Untergebracht war sie zunächst im ehemaligen St. Johannis-Kloster (heute Rathausmarkt), wovon ihr Name „Johanneum“ herrührt.

Im 19. Jahrhundert erhielt die Schule ein neues Domizil an der Stelle, wo einst die Keimzelle Hamburgs lag, die so genannte Hammaburg, und wo sich später bis zu seinem Abbruch (1804-1807) der Dom befand (heute Speersort).

Seit 1914 steht das Gebäude des Johanneums an der Maria-Louisen-Straße. Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher schuf einen in sich geschlossenen Baukörper, der, vom Lärm der umliegenden Straßen und der nahen Hochbahn abgeschirmt, eine Oase des Lernens ist. Die fünf Arkaden zwischen den Backsteinflügeln laden zum Eintreten und Verweilen ein.

Wenn ich das große, schöne, dunkelrote Gebäude vor mir erblicke, dann werde ich jedes Mal ernst, weil es so alt, still und ehrwürdig ist. Mit den Jahreszeiten ändert der Innenhof sein Aussehen. Im Frühling: das Haus riesig und voller Erwartungen. Im Hof liegen die Blüten der Kastanien. Im Sommer: Der Hof ist voller Leben, Gruppen von Schülern unterhalten sich, andere haben sich zurückgezogen, lesen oder denken vielleicht an die Arbeit oder sonst was. Im Winter: Helles Licht fällt aus den großen Fenstern auf den dunklen Boden des Innenhofes. Ich freue mich auf die Wärme im Klassenzimmer, wenn ich durch die Torbogen gehe.
Eine Schülerin
Schulreformer und Reformator

Johannes Bugenhagen

Schon mit 19 Jahren war er Schulleiter in Treptow geworden und verhalf der dortigen Schule zu solchem Ansehen, dass selbst die Bildungseliten aus Livland und Westfalen ihre Söhne in die kleine Stadt Pommerns schickten.

"Gewaltig Schul gehalten"

Johannes Bugenhagen, am 24. Juni 1485 geboren, hatte in Greifswald studiert und seine theologische Unterweisung in einem der reichsten Klöster Pommerns, im Kloster Belbuck, erhalten.

Der dortige Abt sandte ihn ohne Priesterweihe, die er erst 1509 empfing, nach Treptow, wo er „gewaltig Schul gehalten“ haben soll und als vorzüglicher Pädagoge hohes Ansehen errang. Zu seinen Schülern gesellten sich sogar Bürger der Stadt, Priester und Mönche.

In den Jahren 1512 bis 1518 las Bugenhagen Erasmus, drei Jahre später Luthers gerade erschienene Schrift „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“, die ihn zur reformatorischen Wende führte und aus Pommern vertrieb. Denn dort versuchte Erasmus von Manteuffel, Koadjutor des geistlichen Oberhirten der pommerschen Herzogtümer, jeglicher Kritik mit harter Hand zu begegnen. Ketzern drohte das Gericht. Der Treptower Schulmeister zog es daher vor, 1521 nach Wittenberg zu flüchten, das unter dem Schutz des Kurfürsten von Sachsen stand. Noch im selben Jahr folgte ihm der Abt von Belbuck, was die Auflösung und den Verfall des Klosters zur Folge hatte.

Johannes Bugenhagen

Johannes Bugenhagen porträtiert von Lucas Cranach d. Ä. 1537, Öl auf Holz, Lutherhaus Wittenberg

Zwischen Bugenhagen und Luther entspann sich rasch ein enges Vertrauensverhältnis. Luther sicherte ihm eine Stellung in der Stadtkirche zu Wittenberg. Bugenhagen entschloss sich zum Bruch mit der römischen Kirche, verwarf das Zölibatsgelübde und heiratete 1522. Später traute er Luther und Katharina von Bora. Der Sendbrief an die Treptower Schüler, der das Studium von Luther-Schriften voraussetzt, widmet sich der Rechtfertigung der Unfrommen. Gemeinsam mit Melanchthon gab Bugenhagen 1528 eine Anleitung für Pfarrherren im Kurfürstentum Sachsen heraus, in der Lehre, Sakrament, Kirchenbesuch, Eheangelegenheiten und Schulunterricht festgelegt wurden.

Braunschweig, Hamburg, Lübeck, aber auch die Herzöge von Pommern-Stettin und Pommern-Wolgast beauftragten Bugenhagen daraufhin mit der Neuordnung des Evangelischen Kirchenwesens. Später reformierte er die kirchlichen Verhältnisse in Dänemark, Norwegen und den dazugehörigen Herzogtümern Schleswig und Holstein. Während dieser Zeit hielt er täglich Vorlesungen an der von ihm neu eröffneten Universität in Kopenhagen, deren Rektor er 1538 wurde.

1529 hatte Bugenhagen die protestantische Lehranstalt Johanneum in Hamburg gegründet, heute eines der drei humanistischen Gymnasien der Stadt. Er erreichte, dass Vergil, Ovid und Cicero in das Lernpensum der Schüler aufgenommen wurden und sorgte für einen zentralen Standort der Schule. Seine theologischen Thesen sind teilweise umstritten. In den Augen vieler Forscher gilt er noch immer als der „minder bedeutende Gehülfe“ Luthers, so dass es bis heute keine kritische Bugenhagen-Ausgabe gibt. Am 20. April jährt sich der Todestag Bugenhagens zum 450. Mal. …

Heike Schmoll, Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 3.4.2008

Bugenhagens Geschichte als Graphic Novel

Ein Denkmal - viele Denkmäler

Bauliche Besonderheiten des Johanneums

Im Oktober 1914 wurde der Neubau in der Maria-Louisen-Straße eingeweiht. Oberbaudirektor Fritz Schumacher griff den Grund­gedanken des 1840 von Wimmel und Forsmann errichteten Vorgängerbaus auf dem Domplatz wieder auf und schuf eine Dreiflügelanlage mit Arkade als Hofabschluss. Das Johanneum zählte zu Schumachers Lieblingsbauten.

Meilensteine

Gelehrtenschule des Johanneums

Winterhude, Maria-Louisen-Str. 114.

Im Oktober 1914 eingeweiht, bewilligt war eine Bausumme von 751.000 Mark. Architekt: Oberbaudirektor Fritz Schumacher (1869-1947). Der Grund­gedanke des 1840 von Wimmel und Forsmann errichteten Vorgängerbaus auf dem Domplatz – Dreiflügelanlage mit Arkade als Hofabschluss – wurde wieder aufgenommen. Material: stark farbiger Lüneburger Ziegel. Das Johanneum zählte zu Schumachers Lieblingsbauten. Das Gebäude steht seit 1979 unter Denkmalschutz.

Bugenhagen-Denkmal

Vor dem Südflügel.

Bildhauer: Engelbert Peiffer, 1885. Das Denkmal befand sich ursprünglich im Innenhof des Vorgängerbaus.

"John Downie"-Baum

Vor dem Nordflügel.

1998 – aus Anlass des 20jährigen Bestehens des Austausches mit der Godolphin and Latymer School gepflanzt von der Headmistress Margaret Rudland.

Gurlitt-Kreuz

Im Innenhof.

Kreuz zum Gedenken an Johannes Gurlitt (rect. Joh. 1802-1827), „Restitutor Johannei“.

Jünglingsstatue

Im Innenhof.

Bildhauer: Richard Kuöhl, 1929. Es handelt sich um ein Geschenk der Ehemaligen aus Anlass der 400-Jahr-Feier 1929. Die Inschrift lautet: „JOHANNEO PIETATIS CAUSA: DISCIPULI ET AMICI MDCCCCXXIX“.

Basedow-Brunnen

Im Außenhof.

Benannt nach dem Philanthropen und Pädagogen Johann Bernhard Basedow (1724-1790, disc. Joh. 1732-43).

Porträtbüsten von Joh. Gurlitt und Joh. Albert Fabricius

In der Ehrenhalle.

Gurlitt und Fabricius waren rectores Johannei (1802-1827 bzw. 1708-1711).

Glasfenster

In der Ehrenhalle.

Künstler: Otto Fischer-Trachau (1878-1958).

Klio-Statue

In der Ehrenhalle.

Kopie einer römischen Marmorfigur aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., die Klio, die Muse der Geschichtsschreibung, darstellt. Ergänzungen von Kopf und Oberkörper aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Werkstatt des römischen Antikenrestaurators Bartholomeo Cavaceppi).

Die Figur wurde der Schule 2006 von Dr. Paul U. Fechner geschenkt, einem erfolgreichen Hannoveraner Augenarzt (abit. Joh. 1945).

Beckerathorgel

In der Aula.

Die jetzige Beckerath-Orgel (1957) ist die fünfte in der Geschichte des Johanneums. Nach dem Aula-Brand wurde sie 1977 erweitert. Die erste Orgel für das Johanneum baute im 16. Jahrhundert Arp Schnitger. Die Orgel befindet sich heute in der Gemeinde Cappel bei Bremerhaven.

Weihereliefs

Gang vor der Aula.

Kopien zweier Weihereliefs, Datierung: Athen um 410 v. Chr. Orpheus – Eurydike – Hermes und Grabmal der Hegeso.

Ehrenmal zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges

Zwischen den beiden Eingängen zur Aula.

Bildhauer: Karl August Orth (1902-1993), eingeweiht 1957. Material: rheinischer Schiefer. Das Relief wird eingerahmt von Muschelkalkplatten, die die Namen der Toten und Vermissten trage.

Denkmal des nackten Kriegers

Treppenabsatz zwischen 1. und 2. Geschoss rechts.

Bildhauer: Georg Wienback (1877-1953), Stifter: Max Nonne (abit. joh. 1879), Begründer der Neurologie, dessen Sohn im 1. Weltkrieg gefallen war. Die Figur wurde der Schule 1921 bei einer „Weihefeier“ übergeben zusammen mit vier Bronzetafeln, auf denen die Namen von etwa 300 Gefallenen stehen.

Tafel für die Gefallenen im Deutsch-französischen Krieg 1870/71

Treppenabsatz zwischen 1. und 2. Geschoss links.

Geleitspruch: „Dulce et decorum est pro patria mori“ (Horaz, Carmina III, 2, 13).

Pacius-Relief

In der Galerie.

Fredrik Pacius, ehemaliger Schüler des Johanneums, Komponist der Nationalhymne Finnlands. Bronzerelief 1979 gestiftet von Hans-Wolfgang Ebeling (abit. Joh. 1924), 1987 von der Deutsch-Finnischen Gesellschaft um eine Bronzeplakette ergänzt mit der Aufschrift: „Fredrik Pacius, Disc. Joh., 1809 Hamburg – 1891 Helsinki, ‚Vater der finnischen Musik'“.

Humanistengalerie ("Viri illustres")

Im Rektoratsflur.

Ein 15 Porträtdarstellungen umfassender Gemäldezyklus, darunter Luther, Melanchthon und Kopernikus, sämtlich aus dem Barockzeitalter. Jünger ist nur das Porträt von Johannes Bugenhagen, das Gerdt Hardorff zur 300-Jahrfeier 1829 gemalt hat. Die Bilder wurden 1997 mit Hilfe von Spenden ehemaliger Schüler restauriert.

Hauptbibliothek ("Bibliotheca Sancti Johannis")

Im 2. Geschoss, linker Flügel.

Die Bibliothek umfasst mehr als 55.000 Bände. Das älteste Buch ist eine lateinische Bibel aus dem Jahre 1491. 2008 wird die Hauptbibliothek um eine neue Bibliothek erweitert, überwiegend von Ehemaligen und Eltern finanziert.

Forum Johanneum

Vom Schumacher­bau durch den Campus und das Stufenhaus getrennt, an der Opitzstraße gelegen.

2007 fertig gestellt. Architekten: Andreas Heller, Sona Kazemi. Das Forum Johanneum beherbergt eine Sporthalle („Arena“), eine Mensa, Kunst-, Musik- und Theaterräume. Bruttogrundfläche: 2.574 qm. Material: 2-fach gebrannter Kohlebrandziegel, dänisches Normalformat. Kosten einschließl. Außenanlagen: 5,7 Mio €, davon 2 Mio € durch eine Privatspende finanziert.

Stufenhaus

Zwischen Schumacherbau und Forum Johanneum, an der Opitzstraße gelegen.

2016 fertig gestellt. Architekten: Winking – Froh. Das Stufenhaus beherbergt 12 Klassenräume, einen Lehrerarbeitsraum und Differenzierungsräume. Bruttogrundfläche: 1.460 qm. Das Material der Fassade entspricht dem des Forums. Auf der Außentreppe sind die Plateaus mit Sinnsprüchen in den Sprachen Deutsch, Englisch, Latein, Französisch und Griechisch versehen.

Rectores Johannei

Die Liste der 37 Rectores Johannei a schola condita.

Beginnend mit Hermelates Theophilus.

1529-1537

Hermelates Theophilus

1537-1565

Matthaeus Delius

1565-1574

Martin Meklenburg

1575-1590

Werner Rolfinck

1591-1619

Paul Sperling

1620-1626

Zacharias Schefter

1627-1628

Johannes Huswedel

1629-1640

Joachim Jungius

1640-1651

Daniel Arnoldi

1651-1660

Peter Westhusen

1661-1680

Heinrich Dassow

1681-1682

Gottfried Voigt

1683-1708

Johannes Schultze

1708-1711

Joh. Albert Fabricius

1711-1731

Johann Hübner

1732-1773

Johann Samuel Müller

1773-1781

Johann Martin Müller

1782-1799

Heinrich Lichtenstein

1802-1827

Johannes Gurlitt

1827-1861

Friedrich Kraft

O.1863 - M.1864

Karl Theodor Kock

1864-1874

Johannes Classen

1874-1888

Richard Hoche

1888-1919

Friedrich Schulteß

1919-1925

Emil Badstübner

1925-1933

Edmund Kelter

1933-1942

Werner Puttfarken

1942-1945

Erwin Zindler

1945-1946

Wilhelm Sieveking

1946-1951

Hans Wegner

1951-1952

Helmut Thede (Stellv.)

1952-1953

Heinz Fahr

1954-1961

Hans Oppermann

1961-1968

Harald Schütz

1968-1970

Horst-Heinz Rußland (Stellv.)

1970-1972

Peter Steder

1972-2001

Hans-Friedrich Bornitz

2001-2011

Uwe Reimer

seit 2011

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